Sonntag, 7. Dezember 2008

Antwort an den "Raffke"

Sehr geehrter "Herr" Renken,

mit Freude empfing ich ihren Brief vom 6.12. Es dauert nicht lange, die Schrift von Rechtschreibe- und Grammatikfehler zu befreien, und schon konnte ich mich ihrem "Anliegen" widmen.
Doch leider wurde mir nach der Lektüre ihres "Begehrens" klar, dass Sie wohl leider, vermutlich ein Fehler ihres Boten (ach, ich vergass, Sie kommen ja aus einer gewissermassen "einfacheren", unaristokratischen Familie, in der die Hand am Gewehr der Hand an der Feder vorgezogen wurde...nun, wie auch immer), einen Teil vergessen haben mitzusenden.
Denn wohl führen Sie, in durchaus charmantem ausführlich-holperischem Stil aus, dass beschriebenes Möbelstück Ihr Eigentum sei. Doch ein Grund geben Sie nicht an. Das ist nun nicht weiter verwunderlich, wissen wir doch beide dass Sie sowohl das direkte Duell, sowie auch den Gottesentscheid sehr klar verlieren mussten.

Ein gründlicher Blick übrigens bestätigte mein Eigentum als altes Erbstück derer von Schmitt (siehe beigefügte Photografien).

Da bleibt mir nur Ihnen wohlwollend ein kleines Gedicht des von mir sehr bewunderten Baron von Klatsch zu zitieren:

An den Raffke

Du, der du unbequemt
nicht rafftest
der du hirngelähmt
erschlafftest

Du bist am Ende nur so gross
dass du noch weinest
in der Muttern Schoß.

(B.v.K., 1723)

MfG

Erik SChmitt (M.A.)

Anlage: Abb.1, besagtes Möbelstück
Abb.2, Insignien auf der oberen rechten Ecke
Abb3, das Stück auf einer alten Photographie aus dem Familienbesitz, ca 1903



Samstag, 6. Dezember 2008

betrifft: Kommode/mein Eigentum

Sehr geehrter Herr Schmitt,

Soeben erhebe ich mich aus unruhigem Schlaf, irgendetwas scheint mir schwer im Magen zu liegen. Ich hätte wohl den Merksatz meines Großonkels, des Großherzogs von Holstein-Grippe befolgen sollen, demzufolge es sich nicht empfiehlt, nach 22.00 Uhr Austern zu verzehren. Doch, ach, auch ich bin nur ein mangelhafter Mensch. Womit ich mich Ihnen zuwende.

Ich möchte das Wort an Sie richten, weil mir meine Situatiuon der Ihren nicht unähnlich erscheint. Denn wenn, wie der Volksmund sagt, nur ein ruhiges Gewissen ein sanft Ruhekissen ist, müssen die letzten Nächte für Sie furchtbar gewesen sein.

Fast kann ich das nagende Bohren Ihrer Selbstvorwürfe bis hierher hören, und das, obwohl ich -in aller Bescheidenheit- weit, weit entfernt von Ihrer Behausung in einem etwas feineren Viertel unserer von mir geliebten und von Ihnen bestaunten Stadt mein bescheidenes Zuhause habe.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr es sie schmerzt, dass das exquisite Möbelstück, welches durch kaum beschreibbare Verwicklungen den Weg in den Flur Ihrer 'Wohnung' fand, dort nicht verweilen wird. Welch unendliches Leid muss sie überkommen haben, als Ihnen klar wurde, dass das einzige benutzbare Stück Mobiliar in Ihren vier 'Wänden' nicht Ihnen, sondern zweifelsfrei und eindeutig mir gehört?

Damit wir uns recht verstehen: Ich möchte Ihnen keinen Vorwurf machen. Ist denn der Hund schuld, wenn der Herr ihm eine Wurst hinhält und er hineinbeißt, wie es ihm seine Triebe befehlen? Ich hätte wissen müssen, dass nicht jeder seine niederen Instinkte im Griff hat.

Natürlich weiß ich, dass der Schmerz die Wahrnehmung trübt. Wer sollte das besser wissen als ich, stamme ich doch aus einer Familie hochdekorierter Kriegshelden. Oft spazierte ich mit meinem Großvater durch die weitschweifigen Parkanlagen unseres Familiensitzes. Und wer bin ich, ihn zu verurteilen, wenn er dabei die ein oder andere Kriegsanekdote mit mehr Feinden ausschmückte, als wirklich durch seine tapfere Hand fielen? Sie entgegen entstammen meines Wissens ja einer Familie von tapferkeitsfernen Pädagogen, die -Hand aufs Herz!- doch in ihrer eigenen, etwas ärmlichen Gedankenwelt leben.

Sie sehen, ich kann mehr als gut verstehen, dass Sie in Ihrer geistigen Verwirrung wieder einmal Mein und Dein nicht so recht auseinanderhalten konnten. Doch kann ich Sie von Ihrem Leid erlösen. Lassen Sie mich Ihnen die Hand zur Hilfe hinabreichen.
Mein mehr als großzügiges Angebot: Liefern Sie die irrtümlich in Ihrem Besitz befindliche Kommode unverzüglich an mich aus. Ich erwarte die Lieferung frei Haus und zu zivilisierter Zeit.

Mit freundlichen Grüßen,
Renken